Oedipus zweifelt

in Korinth, Argolis

Da ereignete sich ein Zufall, der ihn aus dieser Zuversicht plötzlich in den Abgrund der Zweifel stürzte. Ein Korinther, der ihm schon längere Zeit aus Neid abhold war, rief an einem Festmale, von Wein überfüllt, dem ihm gegenübergelagerten Ödipus Vorwurfe schwer betroffen, konnte der Jüngling das Ende des Males kaum erwarten; doch verschloß er seinen Zweifel selbigen Tag noch kämpfend in der Brust. Am anderen Morgen aber trat er vor seine beiden Eltern, die freilich nur seine Pflegeeltern waren, und verlangte von ihnen Auskunft. Polybus und seine Gattin waren über den Schmäher, dem diese Rede entfallen war, sehr aufgebracht, und suchten ihrem Sohn seine Zweifel auszureden, ohne ihm jedoch dieselben durch eine runde Antwort zu heben. Die Liebe, die er in ihrer Äußerung erkannte, war diesem zwar sehr erquicklich; aber jenes Mißtrauen nagte doch seitdem an seinem Herzen, denn die Worte seines Feindes waren zu tief eingedrungen.

Schwab Erster Teil / Fünftes Buch / Kapitel 1 / Absatz 2